11  MAGICK


"In meinem dritten Jahr in Cambridge weihte ich mich bewußt dem Großen Werk. Ich verstand darunter das Werk, ein Spirituelles Wesen zu werden, frei von den Zwängen, Zufällen und Täuschungen der materiellen Existenz. Es mangelte mir an einem Namen, um meine Arbeit zu bezeichnen ... Ich wählte deshalb den Namen "MAGICK" als ursprünglich den feinsten und tatsächlich den verrufensten aller verfügbaren Ausdrücke.
Ich schwor MAGICK zu rehabilitieren, sie mit meiner eigenen Laufbahn zu identifizieren; und die Menschheit zu zwingen, das zu respektieren, zu lieben und darin zu vertrauen, was sie verachtete, haßte und fürchtete. Ich habe mein Wort gehalten."
Aleister Crowley

MAGICK als Untertitel des GOLEM zeigt einen wichtigen Themenschwerpunkt unserer Zeitschrift. Magick ist oft und vielfältig definiert worden und wir wollen an dieser Stelle nicht das Rad neu erfinden, sondern einige Gedanken dazu äußern, was wir darunter verstehen und warum die Sache unserer Meinung nach so interessant ist.
Aleister CrowleyMagick kann man als die Kunst und Wissenschaft ansehen, innere und äußere Realitäten in Übereinstimmung mit dem eigenen Wahren Willen bewußt zu schaffen oder zumindest zu verändern. Aleister Crowley, einer der bedeutendsten Magier des letzten Jahrhunderts, ließ die Ansätze und Intentionen seines eigenen Werkes in diesen Begriff einfließen, indem er zum Wort Magie (engl. magic) ein K hinzufügte. Damit wollte er, wie er sagte, zum einen die Bewußtseinswissenschaft Magie auch begrifflich von Jahrmarktsgaukelei, Aberglauben und "Budenzauber" abheben, zum anderen sah er das K als für Kteis (griech. für Möse) stehend an, um den sexualmagischen Aspekt und den notwendigen Einfluß der weiblichen Shakti-Kraft zu verdeutlichen.
Magisches Denken selbst ist so alt wie die Menschheit. Es entstand aus dem Bedürfnis, göttliche (unabhängig davon, was jeder unter 'Gott' versteht) Kräfte und Energien in die eigene Realität "herab" zu ziehen, um aus ihnen alltäglichen Nutzen zu gewinnen oder sie für das eigene Wissen und die eigene Weiterentwicklung zu gebrauchen. In gewissem Gegensatz dazu möchte ein Mystiker zu diesen Kräften "aufsteigen" und verspürt ein gewisses Bedürfnis danach, seine Realität zu verlassen.
Im gleichen Sinn ist Magie bei Novalis "die Kunst, die Sinnenwelt willkürlich zu gebrauchen, und der magische Idealist ist derjenige, der ebensowohl die Gedanken zu äußeren Dingen wie äußere Dinge zu Gedanken machen kann." (Fragmente 1779)
Anders als in der historischen Magie geht es jedoch unserer Meinung nach nicht mehr darum, als "Idealist" eine absolute Wahrheit zu finden, die in Geheimlehren irgendwelcher Art okkult, also verborgen ist. Es geht vielmehr darum, Magick als Instrument und Werkzeug zu verwenden - u. a. mit dem Ziel, Kontakt mit dem eigenen Höheren Selbst (oder dem Heiligen Schutzengel, Inneren Kind, dem göttlichen Kern, Gott, Göttin etc.) aufzunehmen und auf dieser Basis zur Erkenntnis seines Wahren Willens zu gelangen. Crowley selbst wurde niemals müde zu betonen, daß dieser Wahre Wille nicht eine beliebige Laune bedeutet, sondern die schwerste Aufgabe für den Menschen darstellt, nämlich in Übereinstimmung mit seinem unverfälschten inneren Wesenskern zu leben und zu handeln. Der Kern aller esoterischen Überlieferung läuft darauf hinaus, den Menschen selber als Gott, mit göttlichen Attributen und Fähigkeiten ausgestattet, zu begreifen - sich quasi an das eigene Gottsein zu erinnern.
Die Methoden der Magick sind vielfältig und im Laufe der Jahrhunderte, vor allem aber auch zu Beginn des jetzigen Neuen Äons weiterentwickelt worden. DER GOLEM soll nicht zuletzt dazu beitragen, verschiedene magische Strömungen, Modelle und Praktiken dem Suchenden näher zu bringen. Bewertungen (richtige oder falsche Wege, weiße oder schwarze Magie) sind dabei überflüssig; der wesentliche Kern magischer Arbeit steht und fällt mit der eigenen Erfahrung gemäß den vier alten magischen Tugenden Wissen - Wollen - Wagen - Schweigen, eine Erfahrung, die jeder individuell für sich selbst machen muß. Gerade in der Magick kann es daher nicht darum gehen, einem Guru hinterherzulaufen oder vorgefertigte Rituale wie aus dem Rezeptbuch nachzumachen, sondern auf der Basis angeeigneten Wissens und reichhaltiger Erfahrungen eine eigene Magick (wie auch eine eigene Kabbala) zu erschaffen, die durch nichts weiter als Erfolg bestätigt wird.
Es ist außerordentlich wichtig, auf diesem schweren Pfad den sprichwörtlichen gesunden Menschenverstand nicht abzulegen und sich nicht mit Illusionen und selbstbetrügerischen Interpretationen zufriedenzugeben. Achtsamkeit, Klarheit, Offenheit, Wahrnehmung, Ehrlichkeit und Humor sind Prinzipien, die dabei eine große Hilfe sein können.

Magischer Kreis


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